Durch den Ort – aber mit Vorsicht

Für Eltern ist es der Albtraum schlechthin, wenn das eigene Kind auf dem Schulweg einen Verkehrsunfall hat. Trotz des zeitweisen coronabedingten Homeschoolings gab es 2020 mehr als 71.000 Schulwegunfälle. Dabei kamen 24 Schülerinnen und Schüler ums Leben. Allein an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs kam es zu etwa 2.800 Unfällen.

Gefährliche Ortsdurchfahrten

Im ländlichen Raum passieren solche Unfälle häufig in Ortsdurchfahrten: Dabei verleiten das geringe Verkehrsaufkommen und wenige Ampeln zu überhöhten Geschwindigkeiten. Dazu kommt, dass gerade bei kurzen Ortsdurchfahrten oft zu schnell gefahren wird, weil die Fahrenden noch die hohen Geschwindigkeiten außerorts gewöhnt sind und beispielsweise Tempo 50 schon als langsam empfinden.

Zudem treffen in Ortschaften die unterschiedlichen Gruppen von Verkehrsteilnehmenden mit ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bedürfnissen aufeinander und nutzen häufig dieselben Verkehrswege. So läuft ein Passant unbedacht auf die Straße, ein Pkw-Fahrer übersieht an einer Ausfahrt eine Person, oder eine Radfahrende vergisst, beim Abbiegen am Stoppschild zu halten.

Besondere Vorsicht bei Kindern

Kinder können noch nicht entscheiden, ob sie die Straße sicher überqueren können: Ihre Geschwindigkeitswahrnehmung ist dafür noch nicht gut genug ausgeprägt. Hinzu kommt die Tatsache, dass Kinder aufgrund ihrer Körpergröße manche Verkehrssituationen auch noch nicht gut überblicken können. Daher gilt vor allem an Haltestellen, Kindertagesstätten und Schulen: Langsam fahren, mit Unvorhersehbarem rechnen und mental aufs Bremsen vorbereiten!

Um Ihre Kinder frühzeitig an den Straßenverkehr zu gewöhnen und grobe Fehler zu vermeiden, verzichten Sie, sofern es geht, bitte darauf, Ihre Kinder mit dem Auto in die Schule zu bringen. Begleiten Sie die Kinder lieber in den ersten Wochen oder Monaten mit dem Rad/zu Fuß/mit dem ÖPNV. Das macht sie selbstständig, schult sie frühzeitig in der motorischen Entwicklung, der Verkehrswahrnehmung sowie im sicheren Verhalten im Straßenverkehr und beugt Unfällen vor.

Ganz schön trügerisch: Die hohen Geschwindigkeiten auf einer Land- oder Bundesstraße verführen dazu, auch in Ortschaften nicht merklich vom Gas zu gehen. Doch gerade dort gibt es viele zu Fuß Gehende, Radfahrende oder andere ungeschützte Verkehrsteilnehmende. Hier sollten alle vorausschauend fahren und Rücksicht nehmen. Zudem gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung vom Beginn der Ortschaft bis zu deren Ende. Das Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit ausrollen zu lassen oder zu frühes Beschleunigen noch vor dem Ortsende birgt hohe Gefahren und zieht deshalb auch entsprechende Sanktionen nach sich. Besondere Vorsicht gilt an Haltestellen, Kindertagesstätten und Schulen.

Nach § 20 StVO gilt folgendes an Haltestellen:

  • Linien-, Schulbus oder Straßenbahn hält an der Haltestelle: Vorsichtig vorbeifahren, auch im Gegenverkehr.
  • Fahrgäste steigen ein oder aus: Rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren und keine Fahrgäste behindern.
  • Linien- oder Schulbus hält an der Haltestelle mit eingeschaltetem Warnblinklicht: Nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren, auch im Gegenverkehr.
  • Linien- oder Schulbus nähert sich Haltestelle mit eingeschaltetem Warnblinklicht: Überholverbot!

DVR/UK/BG-Schwer­punkt­aktion 2022 Informationen zur Aktion

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